Auf den Spuren von Jakob Böhme
geschichte
Posthumes Bildnis von Jacob Böhme (1575–1624); Portrait von Gottlob Glymann ohne Jahr, Kamenz – Museum der Westlausitz

Zu den berühmtesten historischen Persönlichkeiten von Görlitz zählt neben dem Bürgermeister und Mathematiker Bartholomäus Scultetus (1540-1614) Jacob Böhme, beide waren Zeitgenossen.
Jacob Böhme wurde 1575 in Nieder-Altseidenberg, Freihaus 73 geboren (heute Stary Zawidòw, Polen). Das Geburtshaus stand vermutlich auf der dem Grundstück der heutigen Nummer 90.
Quelle: Richard Jecht: Jakob Böhme – Gedenkausgabe der Stadt Görlitz zu seinem 300jährigen Todestage, 1924, Seite 5

Ab 1581 ging er wahrscheinlich auf die Stadtschule von Seidenberg und begann 1589 eine 3jährige Schuhmacherlehre, danach folgte die 2jährige nach anderen Quellen (R. Jecht) 3jährige Wanderschaft der Gesellen in der Oberlausitz, in Niederschlesien und Böhmen. 1594 zog er nach Görlitz. 1598 kaufte er ein Haus in der Rabengasse für 300 Mark (Teilzahlung bis 1608). Das Haus ist das heutige Jacob-Böhme-Haus in der Straße Daszynskiego 12, Zgorzelec.
1599 ist Jacob Böhme Schuhmachermeister in Görlitz und heiratet im selben Jahr Katharina Kuntschmann, Tochter eines wohlhabenden Fleischermeisters. Als Bürger von Görlitz lässt sich Jacob Böhme am 24.04.1599 für 4 Schock Groschen eintragen und erwirbt am selben Tag eine der 44 Schuhbanken für 240 Mark auf dem Untermarkt von Valentin Lange, der in die Familie der Frau von Jacob Böhme eingeheiratet hatte. Jeder Innungsmeister musste Bürger von Görlitz werden und innerhalb von ½ Jahr heiraten.
- 1600–1610
- 1612–1614
- 1615–1619
- 1620-1623
- 1624
Jan-Juli - 1624–1626
1604 wird er denunziert für andere Schuster über seinen Eigenbedarf Leder gegerbt und damit die Gerber geschädigt zu haben. Er wird zu 6 Schillinge (72 Groschen) Strafe verpflichtet.
Am 26.07.1608 verkauft Jacob Böhme das Haus in der Rabengasse für 330 Mark und bleibt bis 1610 mit seiner Familie als Mieter dort wohnen. 1610 erfolgt der Erwerb eines neuen Hauses für 375 Mark zahlbar bis zum 27.04.1618 in Raten. Das Haus befand sich nahe dem alten Haus an der Altstadtbrücke auf dem Eckgrundstück gegenüber der heutigen Dreirad-Mühle auf der heutigen polnischen Seite, das Haus wurde 1641 weitestgehend zerstört durch schwedische Truppen bei der Verteidigung der Stadt gegen die kaiserlichen Truppen.
Sein erstes Werk „Aurora“ (Morgenröte im Aufgang) begann er Anfang 1612 zu schreiben und bekam mit dem Werk damit auch Umgang mit ähnlich theosophisch mystisch gesinnten Leuten und rückte so in den Bereich allgemeiner Beachtung. In dieser Zeit gab es auch eine Pestepedemie in Görlitz von 1612-1614.
Am 12. März 1613 verkaufte er schließlich seine Schuhbank für 470 Mark und bestritt zusammen mit seiner Frau den Lebensunterhalt mit dem Handel von Garn und Handschuhen, letztere wurden bei Bauern der Umgebung erworben. Die Waren vertrieben sie auf Handelsfahrten in Niederschlesien, der Lausitz und Böhmen.
Das Geschäft lief anfänglich gut, aber der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648 wirkte sich natürlich aus. So wurden 1620 18.000 Man in Görlitz und Umgebung einquartiert zur Verteidigung gegen den sächsischen Kurfürsten Johann Georg I einem Verbündeten Kaiser Ferdinand I. Das war natürlich eine erhebliche Belastung für Stadt und Umland. Görlitz hatte damals um die 10.000 Einwohner.
Am 26.Juli 1613 musste er kurz ins Gefängnis im Rathaus von Görlitz, nachdem ihn sein Hauptwidersacher Gregor Richter (Primarius – Erster Pfarrer) wegen seines Werkes „Aurora“ anklagte da dieses nicht dem orthodoxen (lutherischen) Glauben entsprach. Bürgermeister Bartholomäus Scultetus fordert Böhme daraufhin zum Verhör, Jacob Böhme wurde dann nach kurzem Gefängnisaufenthalt entlassen mit der Ermahnung derartige Schriften zu unterlassen.
Gregor Richter erbost über das milde Urteilt des Bürgermeisters fordert Jacob Böhme am 30.07.1613 vor das Ministerium der Versammlung der Görlitzer Geistlichen und prüft ihn dort auf sein Glaubensbekenntnis, was ohne Fehl und Tadel ausfällt. Richter erteilt Böhme ein Schriftverbot in allen Sachen, die nur die Kirche angehen.
Seine Frau Katharina wurde am 8. Oktober 1616 mit 17 anderen Görlitzer Bürgerfrauen wegen Schwarzhandel mit Garn vorgeladen, ging aber straffrei aus wegen Geringfügigkeit des Vergehens. Er selbst wurde am 22. Oktober wegen unerlaubten Garnhandels mit 10 Taler Strafe belegt.
Auf Drängen seiner Freunde wie Dr. Tobias Kober, Karl Ender von Sercha (Wohnhaft in Leopoldshain, heute Lagòw in Polen nahe der Autobahnabfahrt Zgorcelec) und der Arzt und Chemiker Dr. Balthasar Walter fing er 1618 wieder an neue Schriften zu verfassen. Im selben Jahr verstarb auch sein Vater und der Dreißigjährige Krieg brach aus.
1620 fällt der sächsische Kurfürst Johann Georg I. in die Oberlausitz ein, erobert Bautzen und lässt Bautzen niederbrennen. Die Ober- und Niederlausitz wurden damit der protestantischen Gewalt unterworfen und militärisch besetzt.
Die Erlebnisse sind Anlass für Jacob Böhme endgültig mit dem Schreibverbot Gregor Richters zu brechen. In dichter Abfolge erschienen nun seine theosophischen Sendungsbriefe.
In den frühen 1620iger Jahren erhielt er ferner Unterstützung in Form von Lebensmitteln und auch Geld u.a. für die Erlaubnis zur Abschrift seiner Bücher/Schriften.
Am 27.12.1623 erschien die „Tafeln der Drei Prinzipien“ ältere Fassung.
Im Januar 1624 flüchtete er auf Schloss/Burg Schweinhaus im Herzogtum Liegnitz (heute Swiny – südlich von Legnica) zu Johann Sigismund von Schweinichen hier schrieb er in der zweiten Hälfte des Februar 1624 die „Tafeln der drei Prinzipien“ jüngere Fassung.
Im selben Jahr kehrte er nach Görlitz zurück, Anfang 1624 erschienen die Schriften „Von wahrer Buße“ und „Von wahrer Gelassenheit“. Der Druckauftrag kam von Johann Sigismund von Schweinichen und war vom Herzog von Liegnitz genehmigt.
Anfang März 1624 wurde Jacob Böhme als Verfasser ermittelt und damit der Übertretung des Schriftverbotes Gregor Richters und der Ratsverwarnung überführt. Gregor Richter erhob damit Anklage beim Magistrat der Stadt Görlitz. Oberster Gerichtsherr ist trotz sächsischer Besatzung immer noch der Kaiser als König von Böhmen.
Die Vernehmung Jacob Böhmes erfolgte am 26. März 1624 in der Ratssitzung um eine Gerichtsverhandlung und damit einen Skandal zu vermeiden. Es kam zum Beschluss der Ausweisung aus Görlitz, aber abgeschwächt, somit erfolgte keine Zwangsausweisung.
Der niederschlesische Landadel verschaffte ihm Zuflucht beim sächsischen Hof in Dresden mit Hilfe oberlausitzer Freunde.
Am 9. Mai 1624 fuhr er über Zittau nach Dresden mit Einquartierung im Schloss des Hofalchimisten und kurfürstlichen Leibarztes Bendedikt Hinkelmann. Er wurde auch beim kurfürstlichen und kaiserlichen Rat Joachim von Loß auf dessen Schloss Pillnitz empfangen und erhielt besuche vom Hausmarschall sowie des Hofpredigers. Seine Schriften sind in Dresdner Buchhandlungen zu erwerben. Nach Görlitz wurde er Mitte Juli 1624 wieder zurückgeschickt.
Am 13. August 1624 verstarb sein Hauptwidersacher Gregor Richter. Seinen Unterhalt bestritt Jacob Böhme zusammen mit seiner Frau als Hausierer wobei beide getrennt unterwegs waren. Am 7. November erkrankte er nach einer Reise nach Schlesien, die er schon geschwächt angetreten hatte. In der Nacht vom 16. zum 17. November verstarb er. Der zufällig in Görlitz anwesende Landvogt sorgte dafür, dass Böhme auch ein christliches Begräbnis erhielt. Am 18. November erfolgte die Bestattung mit voller Beteiligung der Schuhmacher und Gerberzunft, Totengeläut „mit großem Aufsehen der Leute“ (Kober). Das von seinen adligen Freunden gestiftete Grabkreuz wird ihm verwehrt und wieder entfernt.
Seine Frau Katharina verstarb wie anfänglich erwähnt 1625/26 an der Pest mit der sie sich bei der Pflege von Pestkranken ansteckte.