Der Görlitzer Obermarkt und das Haus Obermarkt 4
Unser Standort
Vom Neumarkt zum Obermarkt –
Die Entwicklung eines historischen Stadtplatzes
Die Entwicklung eines historischen Stadtplatzes
Der Görlitzer Obermarkt gehört nach dem älteren Untermarkt zu den 2 bekannten und prägenden Plätzen in der Görlitzer Altstadt.
Görlitz reichte im Westen bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhundert nur bis zum Ende der Brüderstraße also dem Bereich des Schwibbogens und der Touristeninfo. Das 1234 gegründete Kloster dessen verbliebenes Originalgebäude die Dreifaltigkeitskirche ist, befand sich also noch außerhalb der Stadt. Zu dem Zeitpunkt gehörte die Oberlausitz noch zum böhmischen Königreich, fiel aber wenig später an die Brandenburgischen Askanier, nach einer nicht geleisteten Mitgift aus einer ehelichen Verbindung zwischen beiden Herrschaftsgebieten, die dann von 1254-1319 Landesherren waren. Danach geriet Görlitz wieder bis 1635 unter böhmischer Herrschaft und wurde folgend mit der Oberlausitz Teil Sachsens.
Die Askanier ließen einen neuen Stadtteil anlegen, die sogenannte Neustadt, der neue Platz hieß Neumarkt, der westliche Teil Richtung Reichenbacher Turm (1376 erstmalige Erwähnung) Oberneumarkt. Nach 1717 setzte sich für den gesamten Platz die Bezeichnung Obermarkt durch. Die Errichtung der erweiterten Befestigungsanlagen begann bereits 1255. Stadtrecht erhielt Görlitz dann 1303.
Obermarkt als Handelsplatz
an der Via Regia
an der Via Regia
Der Obermarkt war geprägt vom frühen Handel und in seiner frühen Phase ein Kornmarkt, die Händler kamen aus Richtung Neißebrücke über die Neißstraße und Brüderstraße und boten ihre Ware (Korn) in offenen Säcken an. Andere Waren aus dem Umland wurden natürlich auch gehandelt. Die Straße lag an der berühmten Handelsstraße Via Regia, die von Kiew-Krakau bis nach Nordspanien führte. Ebenfalls kreuzte die Nord-Süd-Verbindung von der Ostsee über Frankfurt (Oder) nach Prag die Stadt. Wahrscheinlich 1407 wurde ein Salzhaus als Handels- und Tanzhaus auf dem heute mittleren Teil des Obermarktes errichtet (in Höhe des Obermarkt 6 bis ca. Obermarkt 4). Das Haus wurde 1851 abgerissen.Der Brauvorgang wurde in Görlitz über die Stadtstatuten und später über spezielle Brauordnungen geregelt und überwacht.
Zur Bekanntgabe der Reihenfolge hatten sich alle Biereigner, Mälzer, Brauer und Biergeberinnen vor dem Rat einzufinden. Der Rat legte auch die Preise für das Braugetreide und den Verkaufspreis fest.
Braubürger die Ihr Los zugeteilt bekommen hatten, sollten sich sofort an das Brauen machen, ein Versäumnis des Brautermins kostete im 17. Jahrhundert eine Strafe von 10 Taler.
Der Brauvorgang war wie folgt:
- Die Braubürger kauften das Braugetreide und ließen es auf ihren Boden bringen
- Der Hausknecht und das Gesinde wässerten das Korn mit Malzblüten
- Danach nahm der vereidigte Mälzer das gewässerte Getreide entgegen
- Das fertige Malz übergab er zum Dörren an den Hausknecht, der es in Säcken zur Mühle brachte
- Das wurde dann unter Aufsicht zweier vereidigter Bürger und des vereidigten Müllers gemahlen
- Der Hausknecht brachte das gemahlene Getreide wieder zurück zum Brauhof, wo es vom Brauer zu Bier gebraut wurde, dass die Wäscherin in Fässer abfüllte
- Ein Weizenbier wurde nach 2 bis 3 Wochen ausgeschenkt, ein Gerstenbier nach 8 Tagen
Für Görlitz bedeutet das, dass bei ca. 100 Brauhöfen immer 8 bis 9 verschiedene Biere ausgeschenkt wurden.
Innerhalb von einer bis zwei Bannmeilen um Görlitz durfte nur Görlitzer Bier ausgeschenkt werden. Die früheste urkundliche Belegung hierzu stammt von 1329, Ende des 15. Jahrhunderts bestand ein 1,5 Meilen Bannbereich womit auch die Landgasthäuser (Kretschamen) verdrängt werden sollten.Here goes your text … Select any part of your text to access the formatting toolbar.
Zerstörung und Wiedergeburt
Der Dreißigjährige Krieg brachte die Stadt an den Ruin nachdem sie mehrfach geplündert wurde, dabei brannten auch mehrere Häuser am Obermarkt ab. Große Stadtbrände an sich gab es 1131 hier soll lt. Chroniken die ganze Stadt ausgebrannt sein (urkundl. Beweis fehlt), 1456, 1479, 1506, 1525, 1530, 1537, 1557, 1633, 1641, 1642, 1691, 1717, 1726, 1750, 1759, 1807, 1808, 1813 und 1817, wobei der Stadtbrand von 1717 der verheerendste war und am Obermarkt große Teile der Häuser an der Nordseite vernichtete. Diese wurden dann im Barockstil wiederaufgebaut. Die Südseite blieb hiervon verschont, so zeigten noch die Häuser im Bereich des heutigen Obermarktes 3, 5 und 6 bis um 1800 Renaissance-Fassaden.
Der Obermarkt 4 brannte 1633 bei Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg ab und wurde 1634 wieder aufgebaut. Nach 1722 erhielt das Gebäude bereits eine Barockfassade, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit Umbaumaßnahmen zur Errichtung eines Brandgiebels geschaffen wurde.
Der Siebenjährige krieg führte zu Truppendurchzügen und hohen Abgabenbelastungen, Friedrich der Zweite wohnte 1745 und 1757 im Obermarkt 31 (Eckhaus Fleischergasse) auch der sächsische König Friedrich August II nahm Quartier im Obermarkt im Haus Nr. 29 in dem auch später in den Napoleonischen Befreiungskriegen Napoleon vom Balkon aus seine Truppen vor der Schlacht bei Bautzen anfeuerte.
Der Obermarkt Gründerzeit und Demokratie
In der Gründerzeit nach 1871 bekam der Obermarkt ein schon gründerzeitlich anmutendes Antlitz, die letzten Häuser aus der alten Zeit wurden abgetragen und im Gründerzeitstil neu errichtet. Die Gebäude des Obermarktes erhielten in den Erdgeschossen Läden mit verglasten Schaufenstern und 1893 wurde an der Stelle des alten Salzhauses ein Reiterstandbild von Wilhelm I installiert, ebenfalls fuhr die Straßenbahn an der Südseite durch den Obermarkt. Auch war der Obermarkt beliebter Platz für Paraden und Militärkonzerte durch die Nähe der Jägerkaserne (heute Stadtverwaltung). Die 1930iger Jahre hinterließen auch Ihre Spuren am Obermarkt, so wurden zwischen 1933 und 1938 die jüdischen Geschäftsinhaber enteignet bzw. mussten deutlich unter Wert zwangsverkaufen. Architektonisch hinterließ die Zeit in der Fassade des Bestattungsunternehmens Ullrich am Obermarktes 15 Spuren, die Fassade wurde 1936 umgestaltet und ist ein wichtiges architektonisches Zeugnis dieser Zeit. 1939 wurde dann der gesamte Obermarkt umgestaltet nicht zuletzt, um besserer Aufmärsche zu ermöglichen. Das Reiterdenkmal wurde dabei auf den Wilhelmplatz umgesetzt, die Straßenbahn stillgelegt und Straßenbelag und Gehwege entsprechend der heutigen Form gestaltet. Der Zweite Weltkrieg hinterließ zum Glück wenig Schäden in Görlitz, am Obermarkt wurden allerdings Gebäude beschädigt bzw. zerstört darunter die Nummern 24, 30 und 31.
In DDR-Zeiten wurde der Obermarkt in Leninplatz umbenannt und auch die Nummer 30 und 31 neu aufgebaut. Währende des Aufstandes vom 17. Juni 1953 war der Obermarkt ein Zentrum der Ereignisse und Zehntausende versammelten sich hier. Den Obermarkt als Parkplatz zu nutzen war auch ein Beschluss aus DDR-Zeiten um auch der in der DDR steigenden Mobilität Rechnung zu tragen, dies prägt den Platz noch heute.
In der Wendezeit kam Helmut Kohl am 27.09.1990 kurz vor der Wiedervereinigung und ca. 25.000 Görlitzer haben auf dem Obermarkt seine Rede verfolgt.
Heute wird der Markt für Großveranstaltungen wie dem Altstadtfest und die Eisbahn des Christkindelmarktes genutzt.
Und das Haus Obermarkt Nr. 4?

Sippenrelief des Valentin Hirschmann 1513

Obermarkt 24

Das Haus Obermarkt 4


Umbauplan 1847


Obermarkt 3 und 4 1960iger und 1970iger Jahre, Fotos aus Bauakte
Das südliche Hinterhaus 1998, Fotos aus Bauakte

